Gesunde Führung

Gesundes Führen

Gesund für Mensch und Unternehmen – Gesunde Führung wird immer wichtiger

„Gesundheit ist alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts,“ sagte einst der deutsche Philosoph Arthur Schoppenhauer (1788-1860). Eine Tatsache, die sich nicht nur auf unseren persönlichen Umgang mit der eigenen Gesundheit bezieht, sprich ob wir uns gesund ernähren, regelmäßig bewegen, nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen genießen, sondern auch auf unser Arbeitsleben. Ob wir uns wohlfühlen, gesund und leistungsfähig bleiben, darauf hat die Führungskraft einen entscheidenden Einfluss. Negative Verhaltensweisen in der Mitarbeiterführung haben demzufolge auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Belastbarkeit der Mitarbeiter. Ein gesundheitsförderliches Verhalten des Arbeitsgebers wirkt sich hingegen positiv auf die Mitarbeitergesundheit aus. Doch was genau verstehen wir eigentlich unter gesunder Führung und wie groß ist der Einfluss der Führungskraft auf die Mitarbeitergesundheit wirklich? Diese und weitere Fragen beantworte ich euch in meinem aktuellen Blogbeitrag zum Thema „Gesunde Führung“.

Was ist gesunde Führung?

Gesunde und motivierte Mitarbeiter stellen eine Grundvoraussetzung für den langfristigen Unternehmenserfolg dar. Als Führungskraft ist es deshalb wichtig gesunde Arbeitsbedingungen und ein positives Arbeitsklima zu schaffen, störende Unterbrechungen im Arbeitsalltag zu vermeiden, Konflikte zu klären, die Ressourcen seiner Mitarbeiter zu stärken und ihnen Handlungsspielräume einzuräumen. Die eigene Gesundheit darf dabei keinesfalls außer Acht gelassen werden. Eine gesunde Selbstführung und die Anerkennung der eigenen Vorbildfunktion spielen im Rahmen der gesunden Führung dementsprechend eine zentrale Rolle.

Unter gesunder Führung versteht man in erster Linie das direkte Führungsverhalten, d.h. diese fokussiert sich auf die personale Führung, die durch die Führungskräfte durchgeführt und gelebt wird. Dabei zielt die gesunde Führung sowohl auf die Mitarbeiter– als auch auf die Selbstführung ab. Franke und Kollegen (2011 bis 2014) erfassten mehrere Aspekte der gesunden Selbst- und Mitarbeiterführung, die ineinandergreifend den Kern gesunder Führung erfassen. Darunter Verhaltensweisen, die auf Stress und überlastungsfreie Arbeitsbedingungen, -organisation und -zeiten abzielen, die Aufmerksamkeit gegenüber gesundheitsrelevanten Signalen und Wichtigkeit der Gesundheit am Arbeitsplatz. 

Nach Franke, Ducki und Felfe (2015) wirkt die Verbindung von gesunder Selbst- und Mitarbeiterführung über den direkten und den indirekten Weg. Der direkte Weg bewirkt eine Verringerung von Belastungen und eine Stärkung der Ressourcen bei den Mitarbeitern und den Führungskräften. Der indirekte Weg sorgt im Rahmen der gesunden Führung für Rollenklarheit, Entwicklungsmöglichkeiten und Sinnvermittlung. Die Vorbildfunktion der Führungskraft wird ebenfalls dem indirekten Weg zugeordnet. Gesunde Führung stellt dabei keinesfalls einen Zustand, sondern einen dynamischen Prozess dar. 

Wegweiser gesunde Führung

Wo steht die Wissenschaft auf dem Gebiet der gesunden Führung?

Aktuell steht die Wissenschaft auf dem Gebiet der gesunden Führung und deren Einfluss auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter noch am Anfang. In ersten Studien konnten positive Zusammenhänge zwischen gesunder Führung und der Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sowie positive Effekte auf den Gesundheitszustand der Beschäftigten jedoch bereits belegt werden.

Das ein Zusammenhang zwischen einem hohen Krankenstand und einer falschen Unternehmenskultur besteht, steht dabei ganz klar außer Frage. Wird ein Mitarbeiter von seinem Vorgesetzten wertgeschätzt, wirkt sich das positiv auf seine Leistungsfähigkeit aus. Werden wir von unserem Chef regelmäßig für gut erbrachte Leistungen gelobt, werden in unserem Körper Endorphine freigesetzt. Diese schützen uns nicht nur vor Ängsten und Depressionen, sondern steigern unsere Leistungsfähigkeit nachhaltig.

Negative Belastungen wie ein hoher Arbeitsdruck, Unterbrechungen, monotone Arbeitsvorgänge, fehlende Motivation, zu viel Kontrolle, fehlende Eigenverantwortung und ein schlechtes Führungsverhalten des Arbeitsgebers wirken sich dagegen schädlich auf unsere Gesundheit aus. 

Eine Studie der AOK, der sogenannte „Fehlzeitenreport 2016“ hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt. Insgesamt wurden 2.007 Beschäftigte im Alter zwischen 16 und 65 Jahren zum Thema Fehlzeiten befragt. Laut dieser Studie erkranken Mitarbeiter, die sich in ihrem Unternehmen wohl fühlen, mit den Zielen ihrer Firma identifizieren können und das Vertrauen des Arbeitgebers genießen, deutlich seltener. Jeder vierte Beschäftige der seine Unternehmenskultur als schlecht erachtet hat, war auch mit der eigenen Gesundheit unzufrieden. Bei den Befragten, die ihre Unternehmenskultur positiv sehen, war es hingegen nur jeder Zehnte.

Besonders wichtig war den Befragten die Loyalität ihres Arbeitgebers (78 Prozent) und der Aspekt des Lobens (69 Prozent). Umso erschreckender ist die Bilanz, dass lediglich 51 Prozent der Befragten das Gefühl haben, dass ihr Vorgesetzter hinter ihnen steht und nur die Hälfte der Teilnehmer regelmäßig von ihrem Arbeitgeber gelobt werden. 

(Quelle: Der „Fehlzeitenreport 2016“ vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO); https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2016/index_17100.html))

Wie kann die Führungskraft positiv Einfluss auf die Mitarbeitergesundheit nehmen?

Die Führungskraft hat einen immensen Einfluss auf die eigene Gesundheit und die ihrer Mitarbeiter. Folgende Aspekte tragen maßgeblich zur Umsetzung einer gesunden Unternehmenskultur sowie einem besseren Umgang mit dem Fachkräftemangel, der steigenden Arbeitsintensität und der hohen Fluktuation bei: 

Die gesunde Selbstführung der Führungskraft

Die Gesundheit und das Wohlbefinden der Führungskraft spielen eine große Rolle für die Organisationsentwicklung und die Organisationskultur eines Unternehmens. Studien belegen, dass es hier einen hohen Übertragungseffekt gibt. Die Studie zum Instrument des „Health Oriented Leadership“ von Franke und Felfe aus dem Jahr 2011 hat sich im Kern mit der Frage beschäftigt „Inwieweit beeinflusst das gesundheitsbezogene Verhalten und die Vorbildfunktion der Führungskraft die Mitarbeitergesundheit? Welchen Effekt hat es auf die Gesundheit und somit auf die Arbeitszufriedenheit und – Leistung meiner Mitarbeiter, wenn ich mich als Führungskraft um mich selbst kümmere?“. Führt sich die Führungskraft selbst auf eine gesunde Art und Weise, d.h. mit einer gesundheitsbezogenen Achtsamkeit, einem Bewusstsein für die eigenen Ressourcen und Belastungen im Arbeitsumfeld sowie einer gesundheitsorientierten Selbstwirksamkeit, wirkt sich das positiv auf die Gesundheit der Mitarbeiter aus. Mitarbeiter, die einer Führungskraft mit einer guten Selbstführung unterstellt sind, fühlen sich vier Mal weniger erschöpft und weisen zwei Mal weniger psychosomatische Beschwerden auf, als Mitarbeiter, deren Vorgesetzte kein gutes Vorbild im Bereich der eigenen Gesundheit darstellen. 

Aus diesem Grund ist es wichtig als Führungskraft stets die eigene Gesundheit im Blick zu behalten. Gesunde Selbstführung bedeutet unter diesem Aspekt regelmäßige Selbstreflexion, Prioritäten setzen, zielgerichtet handeln und sich seiner Vorbildfunktion immer bewusst zu sein. Eigene Stressoren wie eine hohe Arbeitsintensität und emotionale Anforderungen sollten beseitigt werden. Die eigene Selbstwirksamkeit, d.h. die Überzeugung herausfordernde Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können, sollte dabei gestärkt werden.

Wie führe ich andere? 

Als Führungskraft sollte ich meine Mitarbeiter weiterentwickeln, indem ich langfristig das Bewusstsein des Mitarbeiters verändere und ihn auf diese Weise zum Nachdenken anrege. Wichtig ist, dass sich diese Weiterentwicklung nicht nur auf die Fähigkeiten der Mitarbeiter beschränkt, sondern in erster Linie auf das Bewusstsein. Doch wie kann ich diese Bewusstseinsveränderung hervorrufen? Der beste Weg führt auch hier wieder über die Vorbildfunktion der Führungskraft. Denn durch Veränderungen an der eigenen Person bewirke ich auf dem besten Weg Veränderungen bei meinen Mitarbeitern. 

Zudem lassen sich fünf Handlungsfelder benennen, die im Rahmen eines nachhaltigen Führungskonzeptes keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen: 

  1. Handlungs- und Entscheidungsspielräume eröffnen: Die Mitarbeiter in Veränderungsprozesse miteinbeziehen und sie dazu motivieren, diese aktiv mitzugestalten. 
  2. Kommunizieren, Konflikte lösen: Den Zusammenhalt im Team stärken, eine offene Kommunikation fördern und bei der Konfliktbewältigung helfen. 
  3. Anerkennung/Wertschätzung: Die Mitarbeiter für gute Leistungen loben, regelmäßig Feedback geben und Personalgespräche führen, nach Problemen im Team fragen und selbst offen für Anregungen sein. 
  4. Soziale Unterstützung: Die Weiterentwicklung und die Stärken der Mitarbeiter fördern, als Ansprechpartner für seine Mitarbeiter da sein und ihnen auch in schwierigen Zeiten den Rücken stärken. 
  5. Arbeit effizient organisieren: Die Arbeitssituation immer im Blick behalten und Überlastungen oder Leerlauf bei den Mitarbeitern erkennen. 

(Quelle: https://gesundheitskongresse.de/berlin/2018/dokumente/praesentationen/Preussner-Moritz-Krause—Gesundheitsorientiert-Fuehren—Ergaenzung-2.pdf?m=1516723603&)

Aus meiner persönlichen Sicht trägt auch das folgende Handlungsfeld maßgeblich zu einem nachhaltigen Führungskonzept bei:

  1. Ressourcen entwickeln: Schaffung unterstützender Bedingungen, um die Ressourcen der Mitarbeiter für die Gesundheit zu fördern (Stressmanagement, Achtsamkeit, Resilienz). 

Voraussetzungen zur Umsetzung des Konzepts der gesunden Führung

In einer Interviewstudie von Andreas Eriksson und Kolleginnen aus dem Jahr 2011 wurden zwanzig Expertinnen zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung eines Konzeptes zur gesunden Führung befragt. Die Auswertungen dieser Studie zeigen, dass sich die Voraussetzungen in zwei Bereiche einteilen lassen. Zum einen in die unternehmensbezogenen Bedingungen und zum anderen in die individuellen Charakteristika. Zu den unternehmensbezogenen Bedingungen zählt die Gesundheitskultur, die beschreibt, inwiefern Gesundheitsförderung und Arbeitssicherheit als feste Bestandteile der Unternehmenskultur verankert und gelebt werden sowie die organisationale Unterstützung, die widerspiegelt, inwiefern sich die Mitarbeiter von ihren Führungskräften wertgeschätzt fühlen. 

Zu den individuellen Charakteristika zählen Führungsmotivation und Achtsamkeit. Unter Führungsmotivation versteht man dabei, ob eine Führungsrolle aus intrinsischer Motivation (Freude/Interesse an der Tätigkeit) oder extrinsischer Motivation (instrumentelle Gründe) wahrgenommen wird. Achtsamkeit beschreibt unter diesem Aspekt eine spezifische Form der Aufmerksamkeitslenkung, die sich auf den aktuellen Moment bezieht und eine nicht wertende Haltung beinhaltet. 

All diese Voraussetzungen werden mit der Umsetzung eines BGM-Konzeptes erreicht. Das spiegelt sich dann in einem konkreten Umgang der Führungskraft mit den Mitarbeitern wieder. 

Tipps zur gesunden Führung

  1. Achte auf deine eigene Gesundheit! 
  2. Mache deine Erwartungen und Ziele transparent!
  3. Verhindere Demotivation!
  4. Be loyal to the absent!“ (Stephen R. Covey).
  5. Gib Raum für Fehler und die individuelle Entwicklung!
  6. Achte auf die  Balance zwischen Nähe und Distanz! 
  7. Vertraue klug!
  8. Hinterfrage dich und das Team regelmäßig! 
  9. Nimm dich auch mal zurück! 
  10. Befähige deine Mitarbeiter zur Eigenverantwortung!

Das Thema gesunde Führung ist Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements und ziemlich komplex. Neben den ohnehin schon umfangreichen Anforderungen, denen eine Führungskraft täglich gerecht werden muss, ist es deshalb oftmals schwierig, ein gesundes Führungsverhalten, dass positiven Einfluss auf die eigene sowie die Mitarbeitergesundheit hat, einzuführen und auch langfristig umzusetzen. Deshalb stehe ich Ihnen mit meiner langjährigen Erfahrung im BGM gerne mit Rat und Tat zur Seite.